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Rüsselsheimer Noize-Mobil machte Station in Offenbach

15.08.00 - 15.08.00

Heike Habermann weckte Kollegen Stefan Grüttner mit Fluglärm

Auf Einladung der SPD-Landtagsabgeordneten Heike Habermann kam das Rüsselsheimer Noize-Mobil nach Offenbach. Sein Einsatz erfolgte am Morgen des 3. August 2000, 7.00 Uhr, in Bürgel – vor dem Haus des CDU-Abgeordneten Stefan Grüttner, Parlamentarischer Geschäftsführer seiner Partei und Befürworter des Flughafenausbaus. "Diese kreative Idee, Landtagsabgeordneten Fluglärmbelastungen vor "Ohren" zu führen, hat mich begeistert. Ich selbst weiß aus eigener Erfahrung, wie es sich unter der Einflugschneise lebt," so Heike Habermann. "Bei Herrn Grüttner in Bürgel ist es zur Zeit noch recht ruhig. Sollte eine Nordbahn realisiert werden – wie Ministerpräsident Koch wohl favorisiert –, sieht es dort jedoch ganz anders aus." So weckte die Politikerin unter regem Medieninteresse gemeinsam mit Tarek Al Wazir, weiterer Offenbacher Landtagsabgeordneter und Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, mit Hilfe des Lärm-Mobils den CDU-Kollegen.

Eine Woche lang waren die sogenannten "Sportsfreunde" aus Rüsselsheim mit ihrem zum Noize-Mobil umgebauten Wohnmobil (Noize steht in der Szenesprache für das englische noise = Lärm!) durch Hessen gefahren und hatten sich dafür extra Urlaub genommen. Die Ausbaugegner wollten landesweit Politikern einen realen Eindruck von der Fluglärmbelastung für Menschen vermitteln, die in der näheren Umgebung des Frankfurter Flughafens leben. Die 20 Stationen lagen unter anderem im Odenwald-Kreis, Raum Darmstadt, Taunus sowie in Stadt und Kreis Offenbach. Dabei erlebten sie die unterschiedlichsten Reaktionen: In Darmstadt wurden die Boxen von der Polizei eingezogen, in Dreieich schleuderte ihnen Rüdiger Hermanns (CDU) ein ernst gemeintes "Ihr redet doch nur Schafscheiße" entgegen, und die Abgeordnete Inge Velte CDU) aus Erbach im Odenwald konstantierte trocken: "An Lärm gewöhnt man sich!" In Eschborn war das Haus des Ministerpräsidenten das Ziel, was jedoch von der Polizei vereitelt wurde. Von offizieller Seite wurden als Gründe die fehlende Genehmigung und die falsche Adresse genannt.

Die Behörden in Offenbach – ob nun Polizei, Ordnungs- oder Umweltamt – verhielten sich jedoch sehr kooperativ. War zunächst geplant, die Aktion in Bürgel um 6.30 Uhr zu starten, musste sie wegen der hessischen Lärmverordung um eine halbe Stunde verschoben werden. "Denn ‚vermeidbarer Lärm‘ darf erst ab 7.00 Uhr erfolgen und da der Fluglärm des Noize-Mobils nur simuliert wurde, ist er vermeidbar," erläutert Heike Habermann die Vorschrift. Doch nun konnte noch am Nachmittag des Vortags innerhalb kürzester Zeit vom Ordnungsamt die Genehmigung für eine Kundgebung erteilt werden, mit der Auflage, die Lautstärke von 75 Dezibel nicht zu überschreiten. Am nächsten Morgen beobachteten die vier Polizisten vor Ort das Geschehen schmunzelnd und mit großer Sympathie für die Ausbaugegner.

Von den Behörden vorgewarnt gab sich Stefan Grüttner betont gut gelaunt und begrüßte nach etwa zehn Minuten Beschallung seine Landtagskollegen, die Rüsselsheimer Aktivisten und die Medienvertreter mit den Worten "Ich hab schon Kaffee gekocht." Von seiner persönlichen Einstellung, ein Ausbau des Flughafens sei wegen dessen wirtschaftlicher Bedeutung unverzichtbar und die Südbahn sei die Variante, die Offenbach weitgehendst verschonen würde, rückte der CDU-Politiker nicht ab. Die zwölf Rüsselsheimer Sportsfreunde legten allerdings nicht allzu viel Wert auf Diskussionen mit Grüttner. "Wir haben schließlich Urlaub", so Christian Vogt. In bunten Hemden gewandet breiteten er und seine Mitstreiter unter ohrenbetäubenden Lärm Strandmatten aus, schmückten ihr Feriendomizil mit Sonnenblumen und pusteten einen Wasserball auf. "Das Informieren und Diskutieren haben die Bürgerinitiativen besser drauf. Wir sagen: Mehr Lärm ist schlecht. Das reicht," meint Vogel.

Für weitere Fragen wenden Sie sich bitte an:
Wahlkreisbüro - Monika Pröse
Herrnstr. 14, 63065 Offenbach
Tel: 069/88 70 45 - Fax: 069/88 70 46


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